Meere

Unser blauer Planet


Unsere Ozeane sind vieles – vor allem unersetzliche Ökosysteme für Milliarden von Meerestieren. Für uns Menschen oft Lebensgrundlage sowie Orte für Entspannung oder Abenteuer. Jedoch sind die Meere auch umkämpfte Industriegebiete. Rohstoffsuche und -förderung, industrielle Fischerei, Plastik und andere Giftstoffe bedrohen die Meere weltweit. „Plastikinseln“, groß wie Kontinente. Mysteriös verendende Fische und Quallen. Gestrandete Wale von Kalifornien über Sizilien bis nach Tasmanien. Bei diesen Schlagzeilen aus dem vergangenen Jahr wird einmal mehr klar: Unsere Meere brauchen dringend Erholung!

Verschobene Entscheidung


2020 hätte genau das eigentlich bringen sollen: Im Sommer hätten in New York die Verhandlungen zum UN-Hochseeschutzabkommen zu Ende gehen können. Wir blickten zuversichtlich auf den Abschluss der Verhandlungen: Über 30 Regierungen unterstützen bereits unsere Forderung, 30 Prozent aller Meere bis 2030 unter Schutz vor Ausbeutung zu stellen. Dann kam die Coronavirus-Pandemie und die Verhandlungen wurden kurzerhand verschoben.

Auch wir mussten unsere Pläne, die auf das historische Abkommen ausgerichtet waren, ändern. Aber wir wären nicht Greenpeace, hätten wir nicht flexibel auf diese neuen Gegebenheiten reagiert und unsere Arbeit adaptiert:

Vor Ort sein


Über 90 Prozent der weltweiten Speisefischbestände sind überfischt oder stehen kurz davor. Internationale Fischereiflotten dringen deshalb immer weiter in Gewässer vor, wo sie lokalen FischerInnen die Lebensgrundlage nehmen. So wurden heuer etwa im Senegal Lizenzen für 52 Industrieschiffe beantragt, die den lokalen Gemeinschaften ihren Fang streitig gemacht hätten.

Gemeinsam mit FischerInnen in Westafrika konnten wir 2020 dafür sorgen, dass die internationalen Fischereikonzerne für ihre neuen Lizenzen eine Absage erhielten und somit vor Ort nicht tätig sein dürfen. Einige Wochen später waren wir in Russland so schnell wie möglich zur Stelle, als Berichte über tote Meerestiere und giftige Substanzen in Kamtschatka an uns herangetragen wurden. Und vor der deutschen Insel Rügen versenkten wir Felsen im Meer und verunmöglichten so die besonders schädliche Grundschleppnetzfischerei, die dort trotz eines Verbots nach wie vor stattfindet.

Schildkröten, Arktis und Tiefsee in Gefahr


Daneben zeigten wir mit dem internationalen Report „Turtles Under Threat“ auf, wie sehr Meeresschildkröten bereits jetzt unter der Klimakrise leiden: Vor dreißig Jahren gab es an den Stränden Französisch-Guayanas pro Saison 50.000 Meeresschildkröten-Nester. Heute sind es nicht einmal mehr 200. Sechs von sieben Meeresschildkröten-Arten weltweit sind akut vom Aussterben bedroht.

Ganz im Norden des Planeten geht unterdessen das Meerseis weiter zurück: Mitte September lag die Ausdehnung des arktischen Eises bei nur 3,8 Millionen Quadratkilometern – halb so groß wie Australien. Seit Beginn der Satellitenmessungen 1979 hat es nun bereits zwei Drittel seines Volumens verloren.

Eine zukünftige Gefahr stellt der geplante Abbau von Metallen und Mineralien in der Tiefsee dar. Der GreenpeaceReport „Deep Trouble“ deckte auf, wie Tiefseebergbau eine Million Quadratkilometer Meeresgrund bedrohen und einigen wenigen Unternehmen massive Profite bringen könnte. Tiefseebergbau könnte in den Meeren irreversible Schäden verursachen, weil dabei der Meeresboden durchpflügt und somit wichtiger Lebensraum zerstört wird.

Entscheidung über historisches Abkommen


Nun sollen die Verhandlungen zum UN-Hochseeschutzabkommen wieder aufgenommen und endlich zu einem Abschluss gebracht werden. Mit dem gleichen Engagement wie 2020 gehen wir damit in ein entscheidendes Jahr für den Meeresschutz, damit das historische Meeresschutzabkommen endlich Wirklichkeit wird.

Greenpeace deckt auf


Im Frühjahr 2020 dokumentierte Greenpeace im Südatlantik mittels Satellitenbildern mehr als 100 Schiffe, die ohne gültige Fanglizenz und mit verdeckter Radarerkennung in argentinischen Gewässern Jagd auf Tintenfische machten. Auch das täuschende Gütesiegel MSC hat während der Corona-Pandemie die Kontrollen der von ihnen zertifizierten Flotten für sechs Monate komplett ausgesetzt.

Plastikfreie Adria


Knapp 6.000 Kilometer Küstenlinie – mehr als Spanien oder Frankreich – machen Kroatien zu einem Hotspot der Plastikkrise. Unsere Kampagne gegen Wegwerfplastik spielt deshalb vor allem in den politisch einflussreichen Küstenregionen Istrien und Dalmatien seit Jahren eine Schlüsselrolle. In der Vergangenheit haben wir mit unserer „Plastik-Tour“ die Menschen direkt vor Ort informiert und konnten so in wertvollen Austausch mit betroffenen BürgerInnen treten. 2020 fiel diese Option leider weg. Im Aktionsmonat „Plastic-Free July“ forcierten wir darum vor allem unsere digitalen Inhalte und gestalteten auch ein Webinar mit. In dessen Rahmen stellten wir unsere Erfahrungen und die Methoden der Marken-Audits vor, die wir bei Aufräumaktionen an kroatischen Stränden einsetzen.

Einen wichtigen Meilenstein unserer Kampagne konnten wir am 2. Dezember 2020 erreichen: MitarbeiterInnen und AktivistInnen von Greenpeace Kroatien übergaben unsere Forderung nach einem Plastiksackerlverbot an das Ministerium für Wirtschaft und nachhaltige Entwicklung in Zagreb. Die Petition wurde von 65.000 Menschen unterschrieben. Gerade in Anbetracht der COVID-Maßnahmen und der begrenzten Anzahl von Personen bei öffentlichen Versammlungen konnten wir uns über umfangreiche Medienberichterstattung dazu freuen. Drei hochrangige VertreterInnen des Ministeriums nahmen unsere Petition entgegen und sagten so Unterstützung für unser Anliegen zu. Über das ganze Jahr hat sich gezeigt, dass Greenpeace als wichtiger Akteur bei diesem Thema wahrgenommen wird. Wir wurden zu mehreren Treffen mit dem Ministerium eingeladen, um die Thematik rund um Einwegsackerl und unsere Forderungen bezüglich Plastik im Allgemeinen zu diskutieren.

Zusätzlichen Druck verleihen uns natürlich unsere UnterstützerInnen, die wir dann in großer Zahl dazu bewegen konnten, an der öffentlichen Konsultation zum „Abfallwirtschaftsgesetz“ teilzunehmen. Mit Erfolg: Das von uns geforderte Verbot der leichten Plastiksackerl ist nun im Gesetzentwurf enthalten; das Gesetz ist jedoch noch nicht vom kroatischen Parlament bestätigt worden. Die Weichen sind aber gestellt und wir arbeiten weiter daran, diesen Erfolg dann 2021 endgültig einfahren zu können.