Wälder

Wälder und Moore sind die größten Kohlenstofflager an Land. Weltweit binden und speichern sie rund 800 Milliarden Tonnen CO2. Das macht sie essentiell für ein stabiles Klima. Allein der Amazonas speichert bis zu 120 Milliarden Tonnen Kohlenstoff – etwa so viel, wie alle EU-Länder gemeinsam in 26 Jahren an Treibhausgasen ausgestoßen haben.

Von Brasilien...

Aber: Der Amazonas-Regenwald büßte in den letzten Jahren rund 17 Prozent seiner ursprünglichen Fläche ein. WissenschafterInnen gehen davon aus, dass der Wald ab einem Verlust von 20 Prozent Fläche auch seine wichtige Klimaschutzfunktion verliert. Und trotzdem wird der größte Regenwald auf unserem Planeten im Eiltempo zerstört. Von August 2019 bis Juli 2020 wurden über 600 Millionen Bäume gerodet.

Mit illegalen Brandrodungen wird immer weiter Platz geschaffen für neue Plantagen und Farmen, was wir auch 2020 wieder mit einem Report belegen konnten. Studien zeigen, dass der Handelspakt EU-Mercosur die Waldzerstörung in Südamerika weiter beschleunigen würde. Allein durch die steigenden Rindfleischexporte in die EU würde die Waldzerstörung in den kommenden Jahren jährlich um 25 Prozent ansteigen. Greenpeace setzt sich deshalb gegen diesen zerstörerischen Handelspakt ein. Es darf bei EU-Mercosur zu keinen taktischen Winkelzügen kommen, um den Handelspakt gegen alle Widerstände durch die Entscheidungsinstanzen zu bekommen. Das könnte die EU etwa mit einem Beipackzettel zum scheinbaren, aber zahnlosen Schutz von Klima und Umwelt oder einem „Splitting“ des Handelsteils aus dem restlichen Abkommen versuchen. Greenpeace setzt sich gegen diese unlauteren Methoden ein und fordert, dass die österreichische Regierung ihr Veto gegen den Handelspakt, welches bereits 2019 beschlossen wurde, ohne Wenn und Aber durchsetzt.

... über Russland und Indonesien ...

Auch in Russland und Indonesien brannten 2020 wieder große Teile der Wälder. In Russland waren wir mit unseren Feuerlösch-Aktionstrupps im Einsatz gegen die Flammen. Viele Brände dort sind eine Folge der Klimaerhitzung, während die Brände in Indonesien und in Brasilien aktiv von Menschen gelegt werden, um die Expansion von Palmöl-, Papier- und Zellstoffplantagen zu ermöglichen. So wurden in Indonesien seit 1990 unfassbare 25 Millionen Hektar Wald zerstört – ein Gebiet, das der Fläche von Großbritannien entspricht!

Papua, der indonesische Teil von Neu Guinea, beherbergt die größte Fläche an bisher unberührten Regenwäldern in Indonesien. Noch 34,3 Millionen Hektar Regenwald von einer Gesamtfläche von 41,1 Millionen Hektar sind dort erhalten. Doch dies könnte sich künftig ändern. Denn Papua steht bei Palmölkonzernen aktuell an vorderster Front, wenn es um die Erschließung neuer Plantagen geht, mit fatalen Folgen für Menschen und Tiere. Von allen Plantagenunternehmen hat Korindo seine Konzessionen in Papua am aggressivsten ausgeweitet. Die Machenschaften des Konzerns konnten wir 2020 mit einer groß angelegten Recherche entlarven und einer breiten Öffentlichkeit bekannt machen.

... nach Europa.

Die EU-Kommission will 2021 ein Gesetz für den globalen Waldschutz vorschlagen. Darin sehen wir eine bedeutende Chance für den Schutz globaler Wälder und haben im vergangenen Jahr breite Mobilisierungskampagnen dazu geschnürt und durchgeführt. Im Rahmen der öffentlichen Konsultation zu diesem Gesetz konnten wir gemeinsam mit anderen Organisationen über eine Million Menschen in Europa dazu bewegen, sich mit uns für den Schutz der globalen Wälder auszusprechen – eine Rekordbeteiligung!

Diesen Schwung nehmen wir ins nächste Jahr mit und verfolgen unser Ziel weiter: Es muss ein starkes EU-Gesetz her, das verhindert, dass Produkte aus globaler Waldzerstörung den EU-Markt erreichen – ohne Wenn und Aber. Nur so können wir die verbliebenen Urwälder des Planeten, den Lebensraum vieler Tiere, und damit auch uns alle, gegen die Klimakrise schützen.

Greenpeace deckt auf

Eine Greenpeace-Untersuchung legt nahe, dass das indonesisch-koreanische Unternehmen Korindo absichtlich Brände auf Papua gelegt hat, um Regenwaldflächen in Palmölplantagen umzuwandeln. Für die Geschäfte des Konzerns hatte dies vorerst keine Folgen: Korindo bezieht weiterhin FSCZertifizierungen für vermeintlich nachhaltiges Holz.

Alte Wälder schützen – und neue schaffen!

Greenpeace trieb den Schutz der rumänischen Wälder 2020 weiter. Im Vordergrund stand der Einsatz gegen illegale Rodungen. Die in den letzten Jahren zunehmende Gewalt gegen WaldschützerInnen bleibt besorgniserregend. Umso wichtiger sind die Erfolge unseres Einsatzes: Illegal zu roden birgt nun viel höhere Risiken, da Greenpeace wichtige Gesetzesänderungen zum Waldschutz erreichen konnte. Diese erhöhen die Transparenz und schließen Gesetzeslücken. Dazu gehörte auch die Einführung des Tracing-Systems für die Europäische Holzverordnung. Dieses System ermöglicht, Daten über Forstwirtschaft, Management, Transport und Lagerbestände zu sammeln und so festzustellen, ob Holz illegal aus dem Wald geholt wird. Ergänzend starteten Programme, um BürgerInnen zur direkten Zusammenarbeit mit Polizei und WaldhüterInnen zu ermächtigen. Außerdem ist Greenpeace jetzt auch Teil einer Arbeitsgruppe des Umwelt- und Waldministeriums gegen illegale Rodungen.

Doch nicht nur der Schutz alter sondern auch die Schaffung neuer Wälder ist möglich. Die Kampagne „Grüne Barriere” wurde innerhalb kürzester Zeit zu einer der erfolgreichsten in Rumänien. Sie bringt Wald- und Klimaschutz zusammen: Die Schaffung von baumreichen Gebieten in Stadtnähe verbessert nämlich auch die Lebens- und Luftqualität sowie das urbane Mikroklima. Innerhalb der ersten vier Monate unterschrieben 100.000 Menschen die Petition für solche grüne Barrieren. Die Regierung beschloss, eine Milliarde Euro der EU-Gelder für die Corona-Erholung in Maßnahmen zur Erholung des Ökosystems zu stecken. Jetzt arbeitet Greenpeace Rumänien daran, dass dies auf die richtige Art und Weise geschieht.

Auch die Waldkampagne in Polen blieb hochaktiv. Im Mittelpunkt stand im Jahr 2020, die Rodungen in allen Urwäldern und naturbelassenen Regionen im Land zu beenden. 50.000 Menschen unterschrieben hierfür eine Petition. Greenpeace machte klar, dass die staatliche Waldverwaltung wesentlich an der Zerstörung der Wälder beteiligt ist; ihr Hauptquartier wurde deshalb Ziel einer Aktion, bei der AktivistInnen mit einem Schriftzug aus Sägemehl aus dem Piska-Wald zum Schutz der Wälder aufriefen.

Die Feuer im Biebrza-Nationalpark im April zeigten die Dringlichkeit des Kampfes gegen die Klima- und Biodiversitätskrise. In einer Tour durch mehrere polnische Wälder machten AktivistInnen auf die Probleme der derzeitigen Waldpolitik aufmerksam und vernetzten sich mit lokalen WaldschützerInnen. Dazu gehörte auch eine sechstägige Wanderung des Aktivisten Łukasz Supergan entlang des Białowiez ˙a-Urwaldes, die medial viel Aufmerksamkeit erregte. Białowiez ˙a ist einer der letzten Urwälder Europas. Im Schatten seiner Baumriesen finden Luchse, Bären, Wisente und viele andere Tiere ihren letzten Unterschlupf.

Der Höhepunkt unserer Kampagnen war ein Protest auf dem Dach des polnischen Umweltministeriums, wo die AktivistInnen vom Minister eine bessere Waldschutzpolitik forderten. Während des ganzen Jahres ging auch der Einsatz dafür weiter, den Białowieża-Wald zu retten und in seiner Gesamtheit zum Nationalpark zu erklären.