Klima und Energie

Die Klimakrise schreitet in unaufhaltsamen Tempo voran, dabei ist der Hauptgrund der Erderhitzung seit Jahrzehnten klar: die Verbrennung von fossilen Rohstoffen. Auch 2021 setzte sich Greenpeace mit voller Kraft für das Ende von Kohle, Öl und Gas ein. Egal, ob Versicherungen, Regierungen oder Ölkonzerne – sie alle müssen ihre gefährliche Abhängigkeit von fossilen Energien beenden und Kurs auf Klimaschutz setzen.

Entscheidende Schritte zur Energiewende

Zentral- und Osteuropa kommt eine besondere Rolle in der europäischen Energiewende zu. Große Kohlevorkommen haben die schmutzigste der weit verbreiteten Energieformen fest in der Wirtschaft verankert. Kohle galt vor allem in Polen lange Zeit als Garant für nationale Energieunabhängigkeit. Und mit dem konservativen Block der Viségrad-Staaten Ungarn, Slowakei, Tschechien und Polen gab es in diesem Bereich besonders zähe Gegner des Fortschritts.

Besondere Herausforderungen

Greenpeace CEE steht beim Einsatz für die Energiewende deshalb vor besonderen Herausforderungen. Dabei muss immer mitbedacht werden, dass beim Ausstieg aus Kohle auch soziale Aspekte mitspielen. Es muss auch verhindert werden, dass der Umstieg direkt in die nächste Sackgasse geht, etwa in die Abhängigkeit von Gas oder Atomkraft. Doch wir haben die Herausforderungen gemeistert, und 2021 fielen die Früchte hartnäckiger Arbeit in unseren Schoß.

Klima und Energie

Die Klimakrise schreitet in unaufhaltsamen Tempo voran, dabei ist der Hauptgrund der Erderhitzung seit Jahrzehnten klar: die Verbrennung von fossilen Rohstoffen. Auch 2021 setzte sich Greenpeace mit voller Kraft für das Ende von Kohle, Öl und Gas ein. Egal, ob Versicherungen, Regierungen oder Ölkonzerne – sie alle müssen ihre gefährliche Abhängigkeit von fossilen Energien beenden und Kurs auf Klimaschutz setzen.

Besondere Herausforderungen

Greenpeace CEE steht beim Einsatz für die Energiewende deshalb vor besonderen Herausforderungen. Dabei muss immer mitbedacht werden, dass beim Ausstieg aus Kohle auch soziale Aspekte mitspielen. Es muss auch verhindert werden, dass der Umstieg direkt in die nächste Sackgasse geht, etwa in die Abhängigkeit von Gas oder Atomkraft. Doch wir haben die Herausforderungen gemeistert, und 2021 fielen die Früchte hartnäckiger Arbeit in unseren Schoß.

Die Dominosteine fallen

Wir wussten es immer: Wenn die Geschlossenheit der Viségrad-Staaten einmal aufbricht, wird es immer schneller gehen. Genau das geschah, als die Slowakei 2019 ihre Vorreiterrolle einnahm – auch wenn Greenpeace in einigen Ländern noch nachhelfen musste.

Papua, der indonesische Teil von Neu Guinea, beherbergt die größte Fläche an bisher unberührten Regenwäldern in Indonesien. Noch 34,3 Millionen Hektar Regenwald von einer Gesamtfläche von 41,1 Millionen Hektar sind dort erhalten. Doch dies könnte sich künftig ändern. Denn Papua steht bei Palmölkonzernen aktuell an vorderster Front, wenn es um die Erschließung neuer Plantagen geht, mit fatalen Folgen für Menschen und Tiere. Von allen Plantagenunternehmen hat Korindo seine Konzessionen in Papua am aggressivsten ausgeweitet. Die Machenschaften des Konzerns konnten wir 2020 mit einer groß angelegten Recherche entlarven und einer breiten Öffentlichkeit bekannt machen.

In Bulgarien zeigten Aktionen gegen Kohle 2021 Wirkung. In einer besonders kreativen Aktion präsentierten Aktivist:innen Abgeordneten Luxus-Mineralwasser-Flaschen – gefüllt mit durch Kohle verschmutztem Wasser. Es war eine Warnung, was durch Kohle und Klimawandel mit den Wasserreserven Bulgariens geschehen könnte.

Solche Aktionen wirkten: Bulgarien kündigte den Kohleausstieg für 2038 an! Jetzt arbeitet Greenpeace daran, das Datum vorzuziehen. Auch in Rumänien zeigte sich der Erfolg jahrelangen Einsatzes. Dort bauen ganze Regionen auf Kohle als Wirtschaftsfaktor – und doch konnte Greenpeace in Informationskampagnen und Aktionen zeigen, dass der Umstieg möglich ist. Seit 2021 ist er offiziell für 2032 festgelegt.

Mit Kroatien und Slowenien schlossen sich im Ende 2021 und Anfang 2022 zwei weitere Länder an. Den Entscheidungen ging ein gutes Jahrzehnt der Bildung von Allianzen und gezielte Lobbyarbeit voraus. Zuletzt war Greenpeace in Slowenien sogar Teil der Gruppe, die die Regierung zum Kohleausstieg beriet. Bemerkenswert ist dort auch, dass die letzten Kapazitäten für Kohle erst 2016 ans Netz gegangen sind, weswegen Gewerkschaften und der Energiesektor besonders beharrlich auf späte Ausstiegstermine drängen. Trotzdem konnte Greenpeace mit Verbündeten immerhin einen Ausstieg 2033 erreichen.

Aktionen gegen Gas

Die Einordnung von Gas als „grüne“ Energie durch die EU-Kommission war ein schlechtes Zeichen für den Energieumstieg. Gas ist nicht sauber und geht mit Abhängigkeiten von Ländern wie Russland einher. Greenpeace setzte sich deshalb auch 2021 dafür ein, den Umstieg von Kohle nicht über Gas laufen zu lassen. Die russische Invasion der Ukraine gab unserem Anliegen Dringlichkeit – ihr Eintreten zeigte unter anderem auch, wie richtig wir in diesem Punkt lagen.

Schon vor 2022 kampfte Greenpeace in Polen gegen die inzwischen gestoppte Nordstream-Pipeline. In Bratislava fuhrte Greenpeace Aktionen gegen ein geplantes Gasterminal durch. Und auch in Slowenien und Kroatien protestieren wir gegen schmutziges Gas und kriegsforderndes Ol. Teil davon war im Oktober 2021 unsere Schiffstour und Aktionen gegen die Offshore-Gasförderung in der kroatischen Adria.

Die Tour führte uns in den Hafen von Rijeka und zu Aktionen am neuen Flüssiggas-Terminal vor der Insel Krk und an jene Stelle nahe Pula, wo im Dezember 2020 die Gasbohrinsel Ivana D gesunken war. Mit unseren Aktionen konnten wir auch in Kroatien die Debatte rund um Gas als vermeintlich „sichere“, „saubere“ und „unverzichtbare“ Energiequelle im öffentlichen Diskurs verankern und prägen.

Der Einsatz für die Energiewende im CEE-Raum war also auch zuletzt ereignisreich und von Erfolgen geprägt. Sie machen Mut, dass wir die Verdrängung schmutziger fossiler Energien aus unserer Nachbarschaft in den nächsten Jahren noch schneller vorantreiben können.

Polen: Hartnäckigkeit gefragt

Damit bleibt von den zentraleuropäischen Ländern nur noch Polen der Kohle treu. Doch auch hier hat sich einiges getan. Greenpeace zerstörte die Illusion einer nationalen Energieunabhängigkeit Polens durch Kohle, indem wir mehrfach zeigten, wie viel Kohle vor allem aus Russland importiert werden muss.

Um Kohletagebaue und -kraftwerke in ihrer Umgebung zu verhindern, arbeiteten Greenpeace-Kampaigner:innen mit betroffenen Gemeinden zusammen. Gelingt die Verhinderung oder Schließung von Anlagen, so hat das weitreichende Folgen: Weil der Transport von Braunkohle über weite Strecken unwirtschaftlich ist, bedeutet die Schließung eines Tagebaus immer auch geringere Wirtschaftlichkeit für umliegende Kraftwerke, deren Schließung dann ebenfalls wahrscheinlicher wird.

International war auch der Kampf um den Turów-Tagebau nahe der tschechischen Grenze bedeutend. Anhörungen vor dem Europäischen Gerichtshof wegen Grundwasserabsenkung führten zu Strafzahlungen. Damit ist klar, dass der Betrieb von Túrow gegen internationales Recht verstößt. Greenpeace Polen arbeitet weiter daran, den Tagebau zu schließen.

Kein Platz für ölverliebte Manager

Greenpeace hat 2021 klar gemacht: Manager, die die Energiewende und den Klimaschutz blockieren und nicht einmal davor zurückschrecken, die Klimabewegung zu überwachen, haben nichts mehr im Amt verloren.

GREENPEACE DECKT AUF 🔍

Letztes Jahr wurde mithilfe von Greenpeace-Recherchen ein Spionageskandal bei der OMV aufgedeckt: Der österreichische Ölkonzern hielt unter Vorstandschef Rainer Seele die Überwachungsunternehmen Thompson & Clark in Neuseeland und Welund in Großbritannien unter Vertrag. Mehrere Hinweise deuteten darauf hin, dass der teilstaatliche OMV-Konzern durch Verträge mit diesen Firmen systematisch die Klimabewegung und junge Umweltaktivist:innen überwachen ließ.

Nach unserem heftigem Protest gegen die dubiosen ÜberwachungsPraktiken und die ölgierige Unternehmenspolitik von OMV CEO Rainer Seele musste dieser abdanken.

Zudem blieb Greenpeace weiter am Klimakiller Methan dran: Nachdem 2020 erstmals an OMV-Gasanlagen mittels Spezialkamera unkontrolliert ausströmende Methan-Emissionen dokumentiert wurden, ließ Greenpeace auch danach nicht locker: 2021 wurden zusammen mit der Organisation „Clean Air Taskforce“ weitere Methan-Lecks bei der OMV aufgedeckt.

Keine Kohle mehr für Kohle, Öl und Gas!

Um fossile Energien endlich aus der Welt zu schaffen, müssen vor allem die Geldflüsse an klimaschädliche Projekte gekappt und ihre Finanzierung verunmöglicht werden. Nach jahrelanger Kampagne gelang Greenpeace dazu ein großer Erfolg beim italienischen Versicherer Generali. Dieser verpflichtet sich, die Versicherung von Kohle-Unternehmen einzustellen. Zudem lässt Greenpeace bei einem der mächtigsten Finanzinstitute in Europa nicht locker: der europäischen Zentralbank (EZB). In einer spektakulären Aktion enthüllten Aktivist:innen den Banner „Stop Funding Climate Killers“ (Stoppt die Finanzierung von Klimakillern) am EZB-Gebäude in Frankfurt. Denn: Die EZB hat Vermögenswerte im Wert von etwa 300 Milliarden Euro gesichert, wovon über 60 Unternehmen profitieren, darunter die Ölund Gasriesen Shell, Total, Eni, OMV und Repsol. Und auch die EU befindet sich mit der Ausarbeitung der aktuellen Richtlinien für grüne Finanzierung auf dem Holzweg.

Gas und Atom sollen in Zukunft als grüne Investitionen gelten. Dagegen protestierte Greenpeace lautstark und appellierte an die EU-Parlamentarier:innen. Sie können dem Vorschlag der Kommission im Sommer 2022 noch eine Absage erteilen.

Showdown Klimakonferenz

Bei der diesjährigen Klimakonferenz in Glasgow waren die fossilen Energien ein heiß diskutiertes Thema. Es ist zwar kaum vorstellbar, nachdem es bereits die 26. Ausgabe des alljährlichen Treffens der Weltgemeinschaft zur Rettung des Planeten war, aber: Kohle, Öl und Gas wurden noch mit keinem einzigen Wort in den Dokumenten erwähnt – bis jetzt. Greenpeace klopfte vor Ort an dutzende Türen, gab zahllose Interviews und machte dabei klar: Wer ernsthaft gegen die Klimakrise kämpft, kommt am Ausstieg aus fossilen Energien nicht vorbei. Mit Erfolg! Erstmals wurde in einem Dokument der Klimakonferenz festgehalten, dass die Kohlekraft zurückgefahren werden muss, um den Planeten zu schützen.

10 Jahre danach: Atomkatastrophe von Fukushima

2021 jährte sich die atomare Katastrophe von Fukushima zum zehnten Mal. Nur kurz nach dem Jahrestag im März ließ die japanische Regierung mit einem irrwitzigen Plan aufhorchen: Mehr als 1,23 Millionen Tonnen radioaktiver Abwässer, die in Tanks im Kernkraftwerk Fukushima Daiichi lagern, sollen demnach in den Pazifischen Ozean eingeleitet werden. Damit werden Rechte und Bedürfnisse der Menschen in Fukushima, in Japan und im ganzen asiatisch-pazifischen Raum völlig missachtet.

Umfragen von Greenpeace Japan haben ergeben, dass die Mehrheit der Einwohner:innen von Fukushima und ganz Japan gegen die Einleitung dieser radioaktiven Abwässer in den Pazifik ist. Auch der landesweite Verband der japanischen Fischereigenossenschaften hat sich strikt gegen die Einleitung ins Meer ausgesprochen.

Keine Fukushima-Abfälle in den Pazifik!

Seit 2012 setzt sich Greenpeace proaktiv gegen die Pläne zur Einleitung von kontaminiertem Wasser aus Fukushima ein. Wir haben UN-Organisationen technische Analysen vorgelegt, Seminare mit der Bevölkerung von Fukushima abgehalten und Petitionen gegen die Einleitungen bei den zuständigen Regierungsstellen eingereicht. In einem Report von Greenpeace Japan wurden Alternativen zu den derzeitigen mangelhaften Stilllegungsplänen für Fukushima Daiichi aufgezeigt – darunter auch Möglichkeiten, den weiteren Anstieg des kontaminierten Wassers zu verhindern.

Es bleibt noch Zeit, die Einleitungen zu stoppen, die frühestens im Jahr 2023 beginnen sollen. Greenpeace wird weiterhin alles unternehmen, um zu verhindern, dass radioaktive Abwässer aus Fukushima in den Pazifik eingeleitet werden.